2026/I/Bil/13 Praxisausbildungsstätten (PAS) an den beruflichen Fachschulen für Sozialpädagogik erhalten und weiterentwickeln

Status:
Nicht Abgestimmt

Der Landesparteitag der SPD Hamburg möge beschließen: Die SPD-Mitglieder von Bürgerschaft und Senat werden aufgefordert, die Entscheidung des Hamburger Instituts für berufliche Bildung (HIBB) zur Schließung der Praxisausbildungsstätten (PAS) nicht umzusetzen und die PASen an den staatlichen Fachschulen für Sozialpädagogik dauerhaft zu sichern, bedarfsgerecht zu sanieren und als innovative Lernorte strukturell weiterzuentwickeln.

Begründung:

Die vom HIBB im Januar 2026 beschlossene schrittweise Schließung aller vier Praxisausbildungsstätten steht im Widerspruch zu den bildungspolitischen Zielen Hamburgs und ist fachlich wie strukturell nicht überzeugend. Nach einem Aufnahmestopp an den Standorten BS 21 und BS 23 im laufenden Jahr sollen im August auch die Einrichtungen an BS 18 und BS 30 folgen. Spätestens 2027 sollen alle PASen geschlossen sein. Damit würde ein seit den 1960er Jahren bestehendes und bundesweit einzigartiges und erfolgreiches Modell der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung beendet.

Praxisausbildungsstätten sind keine regulären Kitas, sondern Teil des Unterrichts. In ihnen arbeiten regelmäßig ganze Ausbildungsklassen gemeinsam mit Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften mit Kindergruppen. Pädagogische Prozesse werden geplant, umgesetzt und systematisch reflektiert. Es handelt sich nicht um Praxisstellen einzelner Auszubildender, sondern um organisierte Unterrichtsprozesse unter realen Bedingungen.

Die Begründung des HIBB, die PASen hätten durch die Reform der Bildungspläne ihre Funktion verloren, überzeugt nicht. Die Bildungspläne betonen ausdrücklich, wie wichtig das Lernen in realen beruflichen Situationen ist. Genau das leisten die PASen. Es entsteht ein klarer Widerspruch: Eine Reform, die Praxis stärken soll, führt zur Abschaffung der Orte, an denen diese Praxis verlässlich und qualitätsgesichert gelernt werden kann. Hinzu kommt, dass die Praxisausbildungsstätten selbst an der Entwicklung der Bildungspläne beteiligt waren und ihre Abschaffung damit auch der eigenen fachlichen Grundlage widerspricht.

Auch das häufig angeführte Kostenargument trägt die Entscheidung nicht. Das HIBB hat selbst deutlich gemacht, dass wirtschaftliche Gründe nicht im Mittelpunkt der Schließungen stehen. Unabhängig davon sind Praxisausbildungsstätten Teil der öffentlichen Ausbildungsinfrastruktur. Investitionen in Ausbildungsqualität sind Investitionen in die Fachkräftesicherung und damit in die Zukunft der frühkindlichen Bildung in Hamburg.

Gerade vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels ist es nicht nachvollziehbar, bewährte und qualitativ hochwertige Ausbildungsorte abzuschaffen. Die PASen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, angehende Fachkräfte gut auf ihre Arbeit vorzubereiten und langfristig im Beruf zu halten. Ihre Abschaffung würde die bestehenden Herausforderungen im Kita-System eher verschärfen als lösen.

Zugleich leisten die PASen einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Sie ermöglichen allen Auszubildenden den Zugang zu qualitativ hochwertiger Praxis – unabhängig davon, in welcher Einrichtung sie ihre praktische Ausbildung absolvieren. Darüber hinaus werden hier gute pädagogische Ansätze sichtbar und können in viele Einrichtungen der Stadt hineinwirken. Die hohe Nachfrage zeigt, wie wichtig dieses Angebot ist: Drei der vier Standorte sind vollständig ausgelastet und führen Wartelisten.

Die Praxisausbildungsstätten wirken zudem über die Ausbildung hinaus: Sie sind Referenzorte für nationale und internationale Fachschulen für Sozialpädagogik, Orte der Berufsorientierung für Hamburger Schulklassen sowie einzelner Schülerinnen und Schüler als auch Knotenpunkte eines gewachsenen Netzwerks zwischen Ausbildung, Sozialraum und Nachwuchsförderung. Mit ihrer Schließung würden nicht nur vier sozialpädagogische Einrichtungen entfallen, sondern ein funktionierendes Zusammenspiel geschwächt, das über Jahre gewachsen ist und sich nicht kurzfristig administrativ ersetzen lässt.

Die Schließung der PASen steht damit insgesamt im Widerspruch zu dem Anspruch Hamburgs, frühkindliche Bildung zu stärken, gute Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte zu schaffen und dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Stattdessen braucht es eine klare politische Entscheidung für den Erhalt dieser Einrichtungen, ihre Weiterentwicklung als moderne Ausbildungsorte und eine langfristig tragfähige Strategie für die Gewinnung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte.

Auch für Kinder und Eltern hat die Entscheidung unmittelbare Folgen. Sie verlieren vertraute Bildungs- und Betreuungsorte und müssen kurzfristig neue Plätze finden. Damit werden gewachsene Beziehungen und stabile Entwicklungsbedingungen unnötig gefährdet.

 

 

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