Die SPD Hamburg unterstützt die Bewerbung der Freien und Hansestadt Hamburg um Olympische und Paralympische Spiele ausdrücklich und bittet Senat und SPD-Bürgerschaftsfraktion, diese Bewerbung gezielt auch als Chance für eine nachhaltige und alltagswirksame Stadtentwicklung zu nutzen und dauerhafte, über die Spiele hinausgehende Verbesserungen für die Quartiere unserer Stadt zu verankern.
- Sportstätten und Breitensport
Olympische & Paralympische Spiele sollen zu einer spürbaren Verbesserung der Sportinfrastruktur in den Quartieren beitragen und nachhaltig dem Schul- und Breitensport zugutekommen.
Der Senat und die SPD-Bürgerschaftsfraktion sollen die laufende Bewerbungsphase nutzen, um sicherzustellen, dass:
- bestehende Sportstätten bedarfsgerecht modernisiert und erweitert werden, wobei bestehende Defizite in stark verdichteten Quartieren besonders berücksichtigt werden,
- zusätzliche Hallen-, Wasser- und Trainingskapazitäten durch Erweiterungen bestehender Anlagen und – wo erforderlich – durch Neubauten geschaffen werden und dauerhaft dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen,
- olympiabedingte Investitionen so ausgestaltet werden, dass sich für Kinder, Jugendliche und den Breitensport im Alltag tatsächlich spürbare Verbesserungen ergeben – insbesondere durch zusätzliche Trainingszeiten, bessere sowie für alle bezahlbare Zugänge und kürzere Wege im Schwimm- und Hallensport.
- Mobilität und ÖPNV
Olympische und Paralympische Spiele sollen dazu beitragen, bestehende Mobilitätsbelastungen zu reduzieren und als Beschleuniger genutzt werden, um mit Olympia-Bundesmitteln den öffentlichen Nahverkehr, die Barrierefreiheit und die alltagstaugliche Mobilität nachhaltig zu verbessern.
Der Senat und die SPD-Bürgerschaftsfraktion sollen die laufende Bewerbungsphase nutzen, um sicherzustellen, dass:
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- olympiabedingte Bundes- und Landesmittel gezielt für zusätzliche Kapazitäten, dichtere Taktungen und eine höhere Zuverlässigkeit des ÖPNV eingesetzt werden, insbesondere auf stark belasteten Verbindungen sowie im Nacht- und Wochenendverkehr,
- die Alltagsmobilität in den Quartieren gestärkt wird, insbesondere durch barrierefreie Zugänge an Haltestellen, verlässliche Fahrgastinformationen, sichere Rad- und Fußwege sowie ausreichende Abstellflächen für Fahrräder und Sharing-Angebote,
- Querverbindungen zwischen den Quartieren verbessert werden, um Wege ohne Umwege über zentrale Knotenpunkte zu ermöglichen und die Verkehrsbelastung insgesamt zu entzerren,
- für Großveranstaltungen verbindliche, anwohnerfreundliche Verkehrs- und Sperrkonzepte gelten, die Erreichbarkeit der Quartiere, Rettungswege und den regulären Nahverkehr priorisieren und frühzeitig transparent kommuniziert werden.
- Stadtverträglichkeit, Sauberkeit und Infrastruktur
Viele der Angebote, die Hamburg attraktiv machen – Kultur, Veranstaltungen, Tourismus und öffentliches Leben – konzentrieren sich in besonderem Maße in den innerstädtischen Quartieren. Damit gehen eine hohe Nutzung öffentlicher Räume und besondere Anforderungen an Sauberkeit, Pflege und Infrastruktur einher. Olympia soll diese Situation nicht verschärfen, sondern als Chance genutzt werden, Lebensqualität, Sauberkeit und Infrastruktur nachhaltig zu stärken.
Der Senat und die SPD-Bürgerschaftsfraktion sollen die Bewerbungsphase nutzen, um sicherzustellen, dass:
- stark frequentierte und touristisch besonders nachgefragte Quartiere bedarfsgerecht zusätzliche Ressourcen für Reinigung, Pflege, Instandhaltung und Prävention erhalten, auch finanziert aus zusätzlichen touristischen Einnahmen im Zusammenhang mit Großereignissen,
- Anwohnende finanziell entlastet werden, insbesondere bei Reinigungskosten, durch eine faire Kostenverteilung zwischen Stadt und Veranstalter*innen,
- olympiabedingte Infrastrukturmaßnahmen – etwa Wege, Plätze und Grünflächen – so ausgestaltet werden, dass sie die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum spürbar und dauerhaft verbessern und nicht nur temporäre Lösungen für einzelne Großveranstaltungen darstellen.
- Veranstaltungsstrategie und Schutz der Quartiere
Olympische und Paralympische Spiele sollen nicht zu einer weiteren Verdichtung von Groß- und Massenveranstaltungen in bereits stark beanspruchten Quartieren führen, sondern als Anlass genutzt werden, eine verbindliche, anwohnerorientierte und stadtweit abgestimmte Veranstaltungssteuerung dauerhaft zu etablieren.
Der Senat und die SPD-Bürgerschaftsfraktion sollen die Bewerbungsphase nutzen, um sicherzustellen, dass:
- eine verbindliche, stadtweite Veranstaltungsstrategie entwickelt wird, die Groß- und Massenveranstaltungen koordiniert, räumlich entzerrt, angemessene Ruhephasen vorsieht und Überlastungen einzelner Quartiere vermeidet,
- verbindliche Mindestanforderungen für Information, Sauberkeit, Verkehr und Anwohnerschutz festgelegt werden, die insbesondere eine frühzeitige Kommunikation, zusätzliche Reinigung im Quartier, den Schutz von Wohnstraßen vor Ausweichverkehr sowie feste Ansprechpersonen für Beschwerden sicherstellen,
- bestehende Koordinierungs- und Genehmigungsstrukturen zu einem strategischen Steuerungsinstrument weiterentwickelt werden, das Veranstaltungsdichte, Quartiersbelastung und die Kumulation von Ereignissen systematisch berücksichtigt,
- traditionelle Hamburger Veranstaltungen und gewachsene Nutzungen öffentlicher Flächen ausdrücklich geschützt und sinnvoll in die Olympiaplanungen integriert werden, insbesondere der Hamburger DOM auf dem Heiligengeistfeld als fester Bestandteil der Hamburger Stadt- und Alltagskultur sowie als wirtschaftliche Grundlage des Schaustellergewerbes; dauerhafte Einschränkungen dieser Fläche sind auszuschließen,
- bei Terminkollisionen (wie etwa dem Sommer DOM) frühzeitig einvernehmliche Lösungen mit den betroffenen Akteur*innen entwickelt werden, etwa durch zeitliche Anpassungen, geeignete Ausweichflächen oder dezentrale Konzepte,
- für Groß- und Massenveranstaltungen tragfähige Verkehrs- und Parkraumkonzepte vorgesehen werden, die Parksuchverkehr in Wohnquartieren reduzieren und die Nutzung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr sowie Park-and-Ride-Angeboten stärken.
- Transparenz, Akzeptanz und Referendum
Die Akzeptanz der Olympiabewerbung entscheidet sich in den Quartieren. Eine breite Zustimmung wird nur gelingen, wenn Bürger*innen klar erkennen, welchen konkreten Nutzen sie im Alltag haben und wie mit möglichen Belastungen verantwortungsvoll umgegangen wird.
Der Senat und die SPD-Bürgerschaftsfraktion sollen die Bewerbungsphase nutzen, um sicherzustellen, dass:
- alle geplanten Maßnahmen, Kosten, Belastungen und zu erwartende Vorteile für die Quartiere verständlich, transparent und öffentlich zugänglich dargestellt werden, einschließlich nachvollziehbarer Angaben zu Verbesserungen bei Sportinfrastruktur, Mobilität, Veranstaltungssteuerung und Sauberkeit,
- im Vorfeld des Referendums konkrete, überprüfbare Perspektiven und Zusagen für die Quartiere benannt werden, damit die Entscheidung auf einer sachlichen und informierten Grundlage erfolgen kann,
- die Ergebnisse der bisherigen sowie (und künftiger) Beteiligungsprozesse sowie die konkreten Auswirkungen auf die Quartiere verständlich, niedrigschwellig und stadtteilbezogen aufbereitet und frühzeitig kommuniziert werden, damit die Diskussion vor Ort faktenbasiert geführt werden kann.
Warum Olympia nur mit spürbarem Mehrwert für die Quartiere überzeugen kann:
Hamburg steht vor der Entscheidung, sich um Olympische und Paralympische Spiele zu bewerben. Für die SPD ist klar:
Die Bewerbung soll nicht nur für sportbegeisterte Hamburger*innen ein Gewinn sein, sondern für die gesamte Stadt – und den Alltag aller Menschen spürbar verbessern.
Bund und DOSB werden erhebliche Mittel in eine deutsche Olympiabewerbung investieren. Unser Anspruch ist, diese Mittel nach Hamburg zu holen und so einzusetzen, dass unsere Stadt insgesamt – und insbesondere die dicht besiedelten Quartiere – profitieren. Denn viele Menschen erleben dort schon heute die Grenzen des Machbaren: hohe Bevölkerungsdichte, stark beanspruchte Infrastruktur und eine wachsende Zahl an Besucher*innen prägen den Alltag. Im HVV werden inzwischen über eine Milliarde Fahrten im Jahr gezählt, Hamburg verzeichnet mehr als 16 Millionen Übernachtungen jährlich – Rekordwerte, die zeigen, wie stark Infrastruktur und öffentliche Räume bereits genutzt werden.
Gerade in stark frequentierten Quartieren wie St. Georg, St. Pauli oder der Sternschanze wird im Alltag sichtbar, was Wachstum bedeutet: mehr Leben, mehr Besucher*innen – aber auch mehr Druck auf Infrastruktur und Nachbarschaften. Überfüllte Sporthallen, knappe Schwimmzeiten, lange Wege zu Trainingsstätten, volle Busse und Bahnen oder stark beanspruchte öffentliche Räume sind für viele Menschen Alltag. Vor diesem Hintergrund werden zusätzliche Großereignisse wie Olympia verständlicherweise mit Sorge betrachtet. Wenn wir vor Ort für Olympia werben wollen, müssen wir deshalb zeigen, wie die Spiele ganz konkret zu Entlastungen und spürbaren Verbesserungen im Alltag der Quartiere beitragen können.
In diesem Sinne kann Olympia ein Katalysator für dauerhafte Verbesserungen sein – wenn die Planungen von Anfang an auch auf einen Mehrwert für die Quartiere ausgerichtet werden.
Dazu gehört eine Sportinfrastruktur, die dem Schul- und Breitensport wirklich zugutekommt: modernisierte Hallen, zusätzliche Wasserflächen, wohnortnahe Angebote und ausreichend Trainingszeiten für Kinder, Jugendliche und Vereine – bezahlbar und ohne lange Wege quer durch die Stadt erreichbar.
Dazu gehört ebenso eine Mobilität, die im Alltag funktioniert: verlässliche Bus- und Bahnverbindungen, dichtere Takte, barrierefreie Haltestellen, sichere Fuß- und Radwege und gute Querverbindungen zwischen den Quartieren. Investitionen dürfen nicht nur während der Spiele wirken, sondern müssen dauerhaft Entlastung schaffen.
Gleichzeitig brauchen stark frequentierte Stadtteile wie St. Pauli mehr Unterstützung für Sauberkeit, Pflege und Infrastruktur. Wege, Plätze und Grünflächen sind bereits jetzt stark beansprucht. Zusätzliche Besucherströme machen deutlich, dass Reinigung, Instandhaltung und faire Kostenverteilung keine Nebensache sind, sondern Voraussetzung für Lebensqualität im Quartier.
Besonders sensibel ist der Umgang mit Veranstaltungen. Nicht das einzelne Event ist das Problem, sondern die dauerhafte Ballung von Straßensperrungen, Lärm, Müll und Parksuchverkehr, die sich über das Jahr hinweg zu einer spürbaren Dauerbelastung summiert. Olympia sollte diese Entwicklung nicht einfach fortschreiben, sondern Anlass bieten, Veranstaltungen stadtweit ausgewogener zu koordinieren und zu verteilen, um einzelne Quartiere gezielt zu entlasten. Dazu gehören verbindliche Ruhephasen, klare Standards und funktionierende Verkehrs- und Parkraumkonzepte, die Besucher*innen konsequent auf den ÖPNV und vorhandene Parkangebote und -häuser lenken, statt Wohnstraßen zu belasten.
Gleichzeitig geht es ausdrücklich nicht darum, Stadtleben einzuschränken. Hamburg lebt von Kultur, Offenheit und Veranstaltungen. Gewachsene Formate wie der Hamburger DOM auf dem Heiligengeistfeld oder weitere Events sind fester Bestandteil der Stadtidentität und wirtschaftliche Grundlage vieler Familien. Solche Traditionen müssen geschützt und sinnvoll in die Planungen integriert werden – ohne dauerhafte Einschränkungen ihrer Flächen und mit fairen Lösungen bei möglichen Terminkonflikten.
Eine erfolgreiche Olympiabewerbung setzt schließlich Transparenz und Nachvollziehbarkeit voraus. Die Akzeptanz wird sich in den Quartieren entscheiden. Sie entsteht dann, wenn Maßnahmen, Kosten, Auswirkungen und konkreter Nutzen offen und verständlich dargestellt werden.
Unter diesen Voraussetzungen kann Olympia vom reinen Großereignis zu einem echten Stadtentwicklungsprojekt werden – mit spürbaren Verbesserungen im Alltag der Hamburger*innen und einer breiten, tragfähigen Unterstützung in den Quartieren.